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TSCHUSCHEN A CAPPELLA
 

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Pressestimmen

Auf den Gipfeln des Balkan

Die „Wiener Tschuschenkapelle“ spielt sich in die Herzen des Seeshaupter Publikums

Seeshaupt. Hätte man sich in der Sesshaupter Seeresidenz Alte Post einen kulturell nicht nur vergnüglichen, sondern auch lehrreichen Abend erhofft, so wäre man genauso wenig enttäuscht gewesen. Zwar tat sich die „Wiener Tschuschenkapelle“ mit den Grenzen des Balkans nicht weniger schwer, und zog sie kurzerhand von Griechenland bis Russland. Doch genau darin liegt auch die Erklärung für das Dilemma, das in den künstlerischen Erscheinungsformen so deutlich auf der Hand liegt. Nicht nur Musik kennt eben keine Grenzen, Musikanten schon gar nicht. Ein ganzes Orchester könnte die Kapelle mitlerweile mit ehemaligen und aktuellen Mitspielern der 18 Bestehensjahren aus allen möglichen, musikalisch irgendwo den Balakan tangierenden Völkern bestücken. Die unterschiedlichsten Mentalitäten und Temperamente verbergen sich dahinter, die denn auch in einer Vielfalt an musikalischen Ausdrucksweisen zu spüren waren.
Nicht zuletzt aber auch in der Moderation des kroatischen Sängers, Gitarrenspielers und Kapellenbegründers Slavko Ninic, in der schon mit charmant beiläufiger Abschätzigkeit kokettierend, eine Menge Sinn für die Nuancen der kulturellen Unterschiede lag. Natürlich überspitze er humorvoll, was ihm auch im vollen Saal eine Menge Sympathie einbrachte, aber auch an die Zeiten errinerte, als Serben, Kroaten oder Bosnier noch vom selben Wein am selben Tisch tranken. Aus Spaß wurde bitterer Ernst – und genau auf den hat es Ninic abgesehen. Aber auch auf das vermeintlich schlechte Ansehen der Slawen in Wien, die eben als „Tschuschen“ verschrein, den Charme der Stadt mitgeformt haben, doch dafür nicht gerade Beliebtheit ernten. Sie sind die pikanten Zutaten im Schmelztiegel, die auch in der Kapelle für die besondere Würze sorgen. Etwa Bulgaren, wie Maria Petrova, die sich nach klassischer Ausbildung auch vom Siebenachtel-Takt nicht im geringsten beeindrucken lässt oder die Serben, wie der Kontrabassist Jovan Torbica, der den Rhythmen sinnliche Substanz gab. Das sind ebenso die Mazedonier: Hidan Mamudov, auch klassisch ausgebildet, spielt grandios Klarinette. Natürlich gehören auch Roma dazu, in der Kapelle vertreten durch Mitke Sarlandziev, der neben ekstatischem Akkordeonspiel auch eine sonore Stimme beisteuerte. Was sie in der Kapelle verbindet, ist die Begeisterung für Musik, für Lieder, für die musikantische Erdung. Entscheidend blieb die Lust für all die Stimmungen zwischen Melancholie, Liebe, Leid, und Freude auszuleben. Frenetischer Applaus und zwei zigeunerische Mitreißer als Zugabe.
REINHARD PALMER (29.4.07, Süddeutsche Zeitung)

TSCHUSCHENKAPELLE IN SEESHAUPT

Melodien gingen runter wie Slibowitz

Seeshaupt – Wer am Donnerstagabend in der Seeresidenz „Alte Post“ in Seeshaupt vor allem „Wiener Schmäh“ erwartete, lag falsch. Trotzdem begeisterte die „Wiener Tschuschenkapelle“, die von der Donau an den Starnbergersee gekommen war, der im Abendsonnenschein das richtige Ambiente bot, rund zwei Stunden das Publikum, das nicht mit Beifall sparte. Sie war würzig und spritzig, die Melodien gingen runter wie Slibowitz.
Schwungvolle Rhythmen wechselten ab mit wehmütigen Balladen. Mit witzigen Arrangements und technischer Perfektion frischte die Kapelle alte Balkanweisen auf und schlug so eine Brücke zwischen traditioneller und moderner Musik. Einiger Wiener Weisen hatten die Gäste doch im Repertoire, und der 3/4 –Walzertakt und beispielsweise das weinselig-wehmütige Lied „Wann i amoi stirb“ fügten sich dezent in die Reihe der Zigeunerlieder, russischen Volksweisen, albanischen Tänze und kroatischen Folklore ein.

Wieder einmal zeigte sich, dass die Sprache der Musik international ist und Grenzen überwindet. Teils wurden die Texte von Ninic humorvoll übersetzt, aber selbst wenn man sie nicht verstand, waren Wehmut, Freude, Liebe oder Trauer zu spüren, die die „Pioniere heimischer Balkanmusik“ an ihren Instrumenten in Gesten und Mimik virtuos zum Ausdruck brachten. Ein besonderes Schmankerl von Mitke Sarlandziev (Akkordeon), Hidan Mamudov (Klarinette), Jovan Torbica (Kontrabass), und dem „Obertschuschen“, Gründer Slavko Ninic (Gesang, Gitarre) waren die unregelmäßigen Balkanrhythmen im 7/8- oder 9/8-Takt. Für das bayerische Ohr ein wenig ungewohnt, ließen sie – auch mit einem Blick auf den malerisch gelegenen See – Urlaubsgefühle aufkommen. Die begeisterten Zuhörer fühlten sich teilweise zum Tanzen animiert und erklatschten zwei schwungvolle Zugaben.
INGE BEUTLER (30.4.07, Münchner Merkur)

Die Wiener Tschuschenkapelle ist in Österreich eine der ersten Bands, die bewusst und heutig das Wiener Völkergemisch auf die Bühne bringt. Somit nimmt sie eine Vorläuferposition ein für zahlreiche zukünftige Projekte und KünstlerInnen, die nun mit einer neuen Selbstverständlichkeit in dieselbe Richtung agieren. (Beispiel: beim 2003 ausgeschriebenen Ethnomusikpreis gab es 88 Bewerbungen!).

Liedgut und Melodien aus den Heimatländern der Band sind auch Liedgut und Melodien eines Wiens, eines Österreichs der Jahrhundertwende. Auch wenn es sich dabei nicht um streng alpin-österreichisches, autochtones Kulturerbe handelt, so ist es doch ein Teil der multiethnischen österreichischen Alltagskultur.

Ausgangspunkt und Beginn der Wiener Tschuschenkapelle war jene Freundschaft unter Immigranten, die sehr bald mit aktiver politischen Arbeit verknüpft war. Die Gründungsmitglieder aus vorwiegend balkanischen Ländern sahen die Notwendigkeit, für ZuwandererInnen und deren Kultur einzutreten.

Dass Immigration nicht gleichzusetzen ist mit kultureller Assimilation, sondern dass das Bewusstsein um die eigene Kultur, Tradition und Sprache auch überlebensnotwendig ist, war der eigentliche Ausgangspunkt für die Gründung der Band.

Somit steht die Wiener Tschuschenkapelle auch für ein politisches Statement, untermauert durch regelmäßige Auftritte, Aktionen und Benefiz-Konzerte im humanitären und menschenrechtspolitischen Umfeld (z.B. Wiener Integrationshaus, Lichtermeer, SOS Mitmensch, Innsbrucker Flüchtlingsball)

Alle diese Zeichen setzten sie lange bevor Osterweiterung und Globalisierung Eingang in das Alltagsvokabular gefunden hatten. Noch bevor der Jugoslawien-Konflikt begann und die Notwendigkeit zur Aufnahme bosnischer, serbischer, kroatischer oder Kosovo-albanischer Flüchtlinge im wahrsten Sinne des Wortes vor unserer Türe stand, trat die Band für Integration und tolerantes Zusammenleben ein.

Heute ist die Wiener Tschuschenkappelle eines der Aushängeschilder für das „andere“, das weltoffene Wien. Sie spielt nach wie vor in kleinen Kellern und Gassenlokalen ebenso wie in großen Theatern, in der Wiener Staatsoper und zu feierlichen Anlässen im Parlament. Als Repräsentantin einer kritischen und bunten Wiener Kulturszene fährt sie auf Kulturaustausch von Makedonien nach Prag genauso wie von Simbabwe nach Rio de Janeiro.

(Irene Strobl, Sabina Schebrak)

Gegen...Ressentiments spielt die Wiener Tschuschenkapelle an. Das Publikum war begeistert. Kein Wunder, Gefühle sind eben international.
(Nürnberger Nachrichten)

Heute, da mit einer Mischung aus berechtigter Sorge und rassistischer Überheblichkeit auf die südslawischen Völker geschaut wird, mehr denn je nötig (und zugleich musikalisch höchst erfreulich) ist eine neue CD der Wiener Tschuschenkapelle.
(Frankfurter Rundschau)

Wer jemals die Tschuschen live gesehen hat, der weiß wie humorvoll und ironisch der Tschuschenboß seine Balkan-Schmähs rüberbringt.
(Concerto)

...kein Geringerer als John Eliot Gardiner lud das Sextett ein, zusammen mit den Wiener Philharmonikern eine Platte zu machen. Ein Ritterschlag für eine Musik, die normalerweise im Kaffeehaus erklingt, und ein Zeichen für jene, die Tschuschen am liebsten aus dem sauberen Österreich hinausbugsieren wollen.
(Süddeutsche Zeitung)

Diese Band ... beweist bei jedem ihrer Auftritte, dass ein Zusammentreffen der verschiedenen Nationalitäten auch ganz ohne Streit und Haß erfolgen kann.
(Täglich Alles, Wien)

Erstmals musizierten also die Wiener Philharmoniker mit der Wiener Tschuschenkapelle. Auch das in größter Harmonie.
(Presse, Wien)

Mit leichten Jazzanklängen, witzigen Arrangements und technischer Perfektion frischten sie die Balkanweisen...auf...und schlugen eine Brücke zwischen traditioneller und moderner Musik.
(Südwestpresse)

 

Der indische Philosoph, Maler und Nobelpreisträger für Literatur Rabindranath Tagore (1861-1941) sagte einst, die Nation sei eines der wirksamsten Betäubungsmittel, die erfunden wurden. Unter dem Einfluss seiner Dünste kann ein ganzes Volk systematisch sein Programm unverhüllter Selbstsucht ausführen ohne sich im geringsten seiner moralischen Verderbtheit bewusst zu werden. Rabindranath Tagore nannte den Nationalismus auch eine Lehre des organisierten Egoismus. Der Inder hätte sicherlich eine Freude an der Tschuschenpartie rund um Slavko Ninic gehabt - die am Kirtag mit der kroatischen Sängerin und Flötistin Tamara Obrovac live auftreten werden - schon alleine weil auf der aktuellen CD der Wiener Tschuschenkapelle "Exil" (Extraplatte) 14 Lieder aus dem EU-Erweiterungsraum zu Gehör gebracht werden. "Es ist", wie Slavko Ninic einmal vermerkte, "Musik für Auserwählte, und zwar überall auf der Welt, die mit einem heißen Herzen in der Brust ausgestattet sind!" Die Musik der Tschuschenkapelle flutscht runter wie Slibowitz, pardon, Marille - wie sehr sie flutscht sieht man übrigens auch daran, dass die Wiener Tschuschenkapelle für die vorletzte CD "...und davon" den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhielt - und Slavko, der Sänger mit Hut und an der Gitarre, ist zudem ein zweifellos hervorragender Conferencier, denn schließlich ist Show das halbe Leben. Der Rest freilich ist harte Arbeit... Der Obertschusch Slavko Ninic hat seine Kapelle fast zur Gänze neu besetzt - man darf sich daher einen dementsprechend frischen Schwung im Spiel der eh schon von Grund auf feurigen Balkanrhythmen erwarten. (Manfred Horak)

 

Tschuschen: das Wort ist eine Verballhornung des slawischen Worts für „fremd“, „Fremder“. In Österreich wird es als Schimpfwort für Ausländer, insbesondere für „Jugoslawen“, abwertend also benützt. Es charakterisiert jene, die es benützen, genauer als jene, die es benennen will – nämlich als rassistische Chauvinisten.

In Wien gibt es ein Ensemble mit wechselnder internationaler Besetzung, aber mit Slavko Ninic als konstantem Zentrum, das sich selbst „Tschuschenkapelle“ nennt. Man hat also die diskriminierende Bezeichnung, indem man sie auf sich selbst anwendet, ins Positive gewendet, ähnlich wie die Homosexuellen den Begriff „Schwule“. Die Musik dieser Band stammt aus dem südslawischen Raum, aber auch aus der Türkei, aus Griechenland, aus Ungarn, aus Rumänien, aus Russland und aus dem Wohnort ihrer Mitglieder, aus Wien. Sie ist so fröhlich, so ergreifend, so unmittelbar musikantisch, dass man sich fragt, welcher Teufel die Programmgestalter reitet, die sie sich (und uns) im Radio entgehen lassen. Diskriminierung endet nicht dort, wo man auf Schimpfwörter verzichtet. Sie setzt sich in der Missachtung und Ignorierung von Kulturen fort.

Die Wiener Tschuschenkapelle hat Lieder im Repertoire und Instrumentalstücke. Zu den schönsten gehören ein Horo, ein Kreistanz aus Bulgarien, mit seiner typischen ungeraden Taktart; das wehmütige a cappella gesungene kroatische Lied Polegala trava detela; das übermütige bosnische Mene majka jednu ima; der mazedonische Tanz Momina igra; das serbische Liebeslied ¦ano mori, das auch zum Repertoire der Weavers um Pete Seeger zählte. Neulich erwähnten wir im Zusammenhang mit der Gruppe Bratsch Les Pauls Hit Johnny Is The Boy For Me, der aus der Zigeunermusik Osteuropas zehrt. Bei der Wiener Tschuschenkapelle taucht er unter dem Titel Zimska noc (Winternacht) als „rumänische Volksweise“ auf, die in kroatischer Sprache gesungen wird.Die CDs der Wiener Tschuschenkapelle werden von einer kleinen Firma produziert und vertrieben, die es, wie viele Institutionen, die den Geist von 1968 nicht an den Zeitgeist des Neoliberalismus verraten haben, auf dem Markt nicht leicht hat...: Extraplatte, Postfach 2, A-1094 Wien. Fax 0043-1-3100324. info@extraplatte.at
(Thomas Rothschild)

Seit 15 Jahren die Pioniere des heimischen Balkanfolk: Die Tschuschenkapelle gehört zu Wien, wie der Schlag auf dem Apfelstrudel. Vor 15 Jahren begann der gelernte Soziologe Ninic, der es geschickt verstand, den rauen Charme eines slawonischen Traktorhändlers zu kultivieren, ein österreichisches Publikum mit der Herkunftsmusik der hunderttausenden GastarbeiterInnen zu konfrontieren, die da den heimischen Reichtum miterarbeiteten.
So sang er sich mit sonorem Tenor durch Pannonien, die Länder des ehemaligen Jugoslawien, den südlichen Balkan und die Türkei, mitreißende an Herz und Seele gehende Lieder, tat dies aber mit so viel Wärme, dass man sich anstatt der Pulsadern dann doch noch eine Flasche Sljivovica öffnen musste. Eine seltene Kunst. In der jüngsten Besetzung klingt die "Kapelle" südlicher denn je.
(Richard Schubert)

 

Uni-Fest für Ethno-Volksmusik

"Erfreulich ist, dass sehr viele Menschen in Österreich unsere Musik hören wollen", sagt Slavko Ninic von der Wiener Tschuschenkapelle.

Anlässlich der Präsentation des neuen Ethno-Volksmusikwerkes "Mosaik der Klänge - Musik der ethnischen und religiösen Minderheiten in Österreich" fand in der Musikuniversität Wien auch ein Fest statt.

Dem Ereignis entsprechend nahmen nicht nur u.a. Rektor Roman Ortner, Gerlinde Haid, Leiterin des Instituts für Volksmusikforschung, sowie Walter Deutsch, der Begründer des Instituts, sondern auch zahlreiche Musiker an der Veranstaltung teil. Denn an diesem Abend sollte über Musik natürlich nicht nur gesprochen, sondern vor allem Beispiele der vielfältigen Ethno-Richtungen dargeboten werden.

Die "Tschuschenkapelle" gehört heute bereits eindeutig zum öffentlichen Teil der heimischen Ethno-Musikszene. "Unsere Musik wendet sich an die Österreicher. Sie ist durchgemischt - griechische, türkische, kroatische, bosnische und russische Elemente vereint sie in sich. Und sie wird von den Menschen angenommen", erklärt Slavko Ninic, Leiter des Ensembles.
(Dorothee Frank)

Wiener Tschuschenkapelle - "Exil"

Heimatverlust, eine neue Heimat, Oase im Schnee oder in der Wüste. Welche Bedeutung man dem Wort "Exil" auch geben mag - mit ihrer Musik weckt die Wiener Tschuschenkapelle Sehnsüchte - von "Tschuschen" und auch "Nicht-Tschuschen". Band-Leader und Sänger Slavko Ninic beschreibt seine Hörerschaft: die Musik ist an alle, die mit "einem heißen Herz in der Brust" ausgestattet sind, adressiert. Auf ihrer neuen CD "Exil" (erschienen auf "extraplatte") bringt die Wiener Tschuschenkapelle den Balkanexpress bereits zum sechsten Mal in Fahrt: Virtuose Akkordeon und Klarinetten-Solos im 7/8 und 9/8 Takt, vom griechischen Rembetiko über Zigeuner-Jazz bis hin zur Klassik - kurzum: "Folklore und Weltmusik" voller Spielfreude.

"Exil" beginnt mit einer Schlittenfahrt ("Zimska noc", Rumänische Volksweise), macht Stop in Rio ("Latino Tschusch"), bei der Allerliebsten um Mitternacht ("Puste su kale", Dalmatien, Kroatien) , ehe die Reise wieder in einer verschneiten Landschaft endet (" Trojka", Russland). Humorvoll und voller Ironie werden alte Weisen ("Mein Mädchen hat keinen Fehler, außer zwei Andere") vorgetragen. Auch wenn es um eine Alterskrise und um eine verlorene Liebe geht ("Wenn meine Jugend vergeht, werde ich auf Dich warten, um Dich zu fragen, ob Du mich noch liebst") - die Interpretation ist charmant und stets mit einem Augenzwinkern bedacht. In einem anderen Lied, "Trite pati" (Bulgarien), müssen "Burschen dreimal barfuß über heiße Kohlen laufen, ehe sie das vierte Mal dasselbe mit der Auserwählten in den Armen dürfen": hektisch rasseln die Tschinellen, Klarinette und Akkordeon tänzeln auf Zehenspitzen.

Traditionelle und moderne Musik verschmelzen - schwungvolle Rhythmen wechseln sich mit Serenaden ab. Gesang, Gitarre (Slavko Ninic), Klarinette (Hidan Mamudov) und Harmonika (Martin Lubenov) tragen die 14 Stücke. Die tiefen Saiten zupft Jovan Torbica. Percussion spielt Maria Petrova, eine junge Studentin der Wiener Musikhochschule. Unterstützung erhalten die "Ober-Tschuschen" durch Haydar Sarı. Der Türke singt und begleitet sich selbst am Saz ("Zülüf dökülmüs yüze"). Auf dem bosnischen "Orli i sokoli" spielt Balkan-Star Jovica Petkovic das Akkordeon. Der 76-Jährige hat viele große Sänger aus dem ex-jugoslawischen Raum begleitet und für sie Lieder geschrieben. Auch ist eine seiner Kompositionen auf "Exil" vertreten - was sich erst im Laufe der Aufnahmen heraus stellte. Die Tschuschenkapelle war davon ausgegangen, dass es sich um ein traditionelles Lied handle, ehe der bescheidene Petkovic mit der wahren Entstehungs-Geschichte herausrückte.
(Wienweb - gs)

 

Zu einem anderen Sylvester- und Neujahrskonzert: "Vom Naschmarkt in die Staatsoper", um zur "Lustigen Witwe" aufzuspielen, scheint ein volksmusikalisch weiter Weg. Für die Wiener Tschuschenkapelle, die "einen der abfälligsten volkstümlichen Ausdrücke für Steuerzahler, die aus dem Südosten Europas und der Türkei nach Österreich kamen, stolz und provokativ zu ihrem Markennamen wendete", nur eine weitere Grenzüberschreitung: "Uns allen in der Band war das eigene Kaff von Anfang an zu klein. Umso weniger lassen wir uns jetzt in nationalistische Löcher pferchen." "Es wird nicht möglich sein zu sagen: So, hier ist die Staatsgrenze, bis hier wird kroatische Musik gespielt und ab dort serbische. Das hat es in der Geschichte nie gegeben, und das wird auch keine Zukunft haben. Man wird auch wieder Lieder von anderen Völkern spielen, zumal die ja so anders nicht sind und deren Sprache ja ähnlich oder gar gleich ist."

Die augenblickliche Besetzung der Tschuschenkapelle, die man vor allem live erlebt haben muß, sind Slavko Ninic (Gitarre und Gesang), Krszysztof Dobrek (Akkordeon) und Metin Meto (Perkussion) sowie Alfred Stütz am Bass und Christian Gruber-Ruesz an der Mandoline ("Es war uns immer wichtig, daß auch österreichische Musiker bei uns um Arbeitsbewilligung ansuchen"). Das Repertoire besteht vor allem aus Liedern und Tänzen aus dem Landstrich, der einmal Jugoslawien hieß, aber auch der Türkei und Kurdistan, aus griechischem Rembetiko und Zigeunerjazz - und auf ihrem letzten Werk "Wie schön Österreich ist" auch Wienerliedern. "Wir wären nicht die Wiener Tschuschenkapelle, würden wir an diesem musikalischen Reichtum, an dessen Quelle wir uns hier befinden, vorübergehen. Unüberhörbar sind ja auch die slawischen und ungarischen Einflüsse im Wienerlied."

(FolkWorld Artikel von Walkin' T:-)M:, 1999)

[20.02.2004]
WIENER TSCHUSCHENKAPELLE - 25.2 v Roxy

Kromì toho, ûe Wiener TschuschenKapelle hrají okouzlujícím zpùsobem balkánskou dechovku, má tohle hudebního seskupení také pøedstavovat malé pokárání pro ty, kteøí zarputile tvrdí, ûe rodilí Rakuöané a poèetné skupiny imigrantù nemohou ûít v souladu a harmonii. Muzikanti kolem vùdèí osobnosti kapely Slavko Niniæe nehrají pro vyööí vrstvy, v nóbl klubech, ale pro lidi na ulici, v ghétech a èasto i pro ty, kteøí si lístek na koncert dovolit nemohou. Hrajíc pøedevöím tradièní folk z Balkánu aû po Turecko a Rusko, experimentují také s romským jazzem nebo se odváûnì vydávají aû do klasické sféry. Vöech pìt alb, které doposud natoèili, jsou stìûejními pro znalce a potìöením pro milovníky balkánské muziky. Originalita aranûí, dovednost a zábavnost hudebníkù jsou vûdy zárukou pøinejmenöím pøíjemného veèera. Jako host vystoupí oblíbení Bengas - s èastuökami, èardáöem, písnìmi Rómù Ruska a Maïarska i rytmy Arábie a äpanìlska. Pøíjemná cena vstupného (90,- Kè) nabízí snad kaûdému moûnost vidìt tyto dvì kapely na jednom pódiu. Vstupenky lze zakoupit v síti TicketStream nebo v klubu Roxy.
(Jirka Vanicky)

Taking the Roxy stage on February 25th was Wiener Tschuschenkapelle, a group of immigrants from Southern and Eastern Europe who have gathered in Vienna to brew their own steaming vat of Balkan music. Stirred in was a variety of flavours including old Viennese folk – somehow evoking Gustav Mahler – and even a twist of Latino clave. All this served up with a unique, highly energising spice. Punters found themselves jumping, waltzing, then swivelling, some stumbling.

Despite the band’s prolific and prestigious recognition they carry a reputation for performing in tiny remote villages to those who can’t afford the concert hall. The ‘poorest of the poor’, as one ex-member has pointed out. This explains the mere 90 Kc admission price. Surprisingly the venue was at half capacity (didn't anybody know?!) but those there threw themselves around the floor and brought the band back out for a 4th encore.

Singer/guitarist and charismatic showman Slavko Ninic hosted the performance in a cocktail of Balkan language, dropping in the occasional Czech word. Some of us understood virtually nothing yet found ourselves laughing stupidly at his wit.

Throughout the show Martin Lubenov’s accordion never left his shoulders, despite the four encores. It seemed more an extension of him than his instrument. The music was expressed not only in his dynamic playing but his soulful face. Coming originally from Sofia, Lubenov celebrates his gypsy heritage in this and other projects. Keep an eye out for him. www.martinlubenov.com
Clarinettist Hidan Mamudovh, originally from Macedonia, invigorated the crowd with his jubilant and lip-smacking playing. Stopping just momentarily to pick up a saxophone, Mamudov continued to launch into solo after solo. Only during one, perhaps two of the slower tunes was he detected sneaking breath.

With Slavko Ninic´s brief departure from the stage came a display of instrumental solos. The most memorable was from Peter Struzenberger. Not often does a double-bass solo capture and drive a big crowd, but his was plucked, bowed, slapped and climbed its way out and out of itself. Chins all around began sideswiping to the raw smears of his grunting bass.

Loudest cheers were unleashed upon percussionist Maria Petrova. She delighted us not only with her emphatic playing but in the grace of her poise, perched up there on the cajon.
The word ´tschusch´ is a kind of derogatory term coined by Austrian puritans to label ethnic minority immigrants. The name Wiener Tschuschenkapelle, ie. ´tschusch´s singing in Vienna, is a politically charged irony. The music itself is a celebration of borderlessness and cultural integration.

Don’t miss them next time. www.tschuschenkapelle.at
(Guy Dowsett) ©2004 The Provokator Magazine
An Instigator Media Group Produktion 2004

 

Mit ihrer neuen Besetzung ist die Wiener Folk-Institution "Tschuschenkapelle" noch weiter nach Süden vorgedrungen, dorthin, wo der Balkan am balkanischsten klingt. Der neue Sound verdankt sich maßgeblich zwei jungen Musikern aus der Roma-Tradition: dem Klarinettisten Hidan Mamudov aus Mazedonien und dem Akkordeonisten Martin Lubenov aus Bulgarien. Der erst 25-jährige Lubenov zählt neben den Größten des bulgarischen Akkordeons auch Art van Demme und Richard Galliano zu seinen wichtigsten Einflüssen, studierte Musik in Sofia, in Wien und am Berkelee College of Music in Boston und pflegt auch enge Kontakte zur progressiven bulgarischen Ethnojazzszene.
Bandleader Slavko Ninic wird die Ehre haben, auch heuer - so wie die letzten zwei Jahre - eine der legendären Figuren der jugoslawischen Akkordeonmusik auf die Bühne zu bitten: Jovica Petkovic - mehr als nur ein Virtuose. Wie wir bereits im Programmfolder 2001 anmerkten, zollt vor allem die muslimische Bevölkerung "diesem serbischen Bürger Sarajevos Respekt, der sich um die Karrieren so vieler bosnischer SängerInnen verdient machte, wie wenige andere in seiner kulturübergreifenden musikalischen Passioniertheit und seiner Verachtung von Nationalismus die Lichtseiten des alten Jugoslawien verkörpert."
(Friedl Preisl, 2003)

 

„Die ham was los!“ rief ein Begeisterter - und dem kann man nur zustimmen: Das Konzert der Wiener Tschuschenkapelle war Höhepunkt und Abschluss des Festes "15 Jahre ABZ ArbeiterInnen-Begegnungs-Zentrum" in Itzling. Immer wieder ein Erlebnis: Der „Patriarch mit Hut“, Slavko Ninic, der sich nicht zu gut ist, selbst Hand anzulegen, wenn’s um den Bühnenauf- und abbau geht. Mit seiner unnachahmlichen Art, Liedertexte aus verschiedenen slawischen Sprachen humorvoll zu erklären, eroberte er auch dieses Publikum im Sturm. Slavko Ninic und die Seinen feiern heuer ebenfalls: das 15jährige Bestehen der (Alt-Tschuschen)Kapelle. Martin Lubenov, Akkordeonist der Extraklasse, Hidan Mamudov, Klarinette und Saxophon, Peter Strutzenberger, Kontrabass und die blutjunge Percussionistin Maria Petrova lieferten ein Feuerwerk an Musikalität und Ensembleleistung, die jeden im Saal mitreißen musste. Elemente des Jazz, der Klassik und der lateinamerikanischen Musik vermischten sich mit den Balkan-Klängen auf originelle, ja erfrischende Art und Weise. Gratulation an Slavko zum 15-Jahre-Jubiläum und zum Mut „musikalisch nicht stehen geblieben zu sein“.

(Georg Reittner)